“Ein Mann kommt von seiner Arbeit heim… ” so fängt nicht nur der an sich bekanntest Song von Superpunk an sondern auch mein persönliche Mischung aus Amüsement und blanken Entsetzen. Wie soft starte ich meinen PC, öffnen meinen Browser und klicke mich durch die für mich üblichen Internetseiten, zu denen auch Spiegel Online gehört. Beim Lesen des Artikels “CSU-Ministerin macht Spiele und FDP für Missbrauch verantwortlich” (von Christian Stöcker) überkommt mich zuerst ein hysterischer Lachanfall der dann fast in bitteren Tränen endet… so fassungslos stand ich konsequenter Ignoranz schon lange nicht mehr gegenüber.
Jetzt mal nur kurz zusammengefasst (die intensive Lektüre des Artikels wird empfohlen, allerdings sollte man sich hinsetzen) :
Schuld an den Missbrauchsfällen von Ameland tragen:
- Die FDP!!! Hä?! Ach so… weil sie nix gegen Kinderpornografie machen… Weil wenn man schon nicht löschen kann (?) muss man ja wenigstens sperren… Man kann scheinbar schon löschen, allerdings scheinbar nur nicht wenn man für das BKA arbeitet… der eine oder andere Arbeitskreis scheint das ja hinzubekommen, Staatsbeamte scheinen daran zu scheitern…
- Killerspiele!!! Hääää!!! Auch wenn sich das vielleicht etwas zynisch anhört… Die Kinder leben doch noch… oder wurden da jetzt auch welche erschossen oder mit Schwertern und Äxten niedergemetzelt…
Auf alle Fälle gibt sich die bayrische Justizministerin doch einiges an Mühe, so etwas wie ein Sommerloch gar nicht erst aufkommen zu lassen. Hoffe ich zumindest; sollte das ernst gemeint sein sollte sich die bayrische Staatsregierung dieser Frau schnellstmöglich entledigen… Eigentlich müsste ihr ja klar sein, dass sie da ne Menge gequirlten Mist verzapft. Aber da wird im Artikel ja eigentlich schon genug darauf eingegangen…
Warum ich jetzt dann hier der Meinung bin meinen Senf hier lassen zu müssen… Im SPON-Forum wird natürlich wieder eifrig zu diesem Thema diskutiert, und natürlich auch schon die üblichen Tiraden auf eine offentsichtlich scheinbar unfähige Politikerin abgelassen… Auch gibt es schon ne Ganze Menge Ansätze zur Frage, wer oder was da jetzt eigentlich schuld daran hat.
Gerne ist es ja die Gesellschaft die in ihrer Gesamtheit attackiert wird (ist ja auch ziemlich einfach; die Gesellschaft sind ja immer alle anderen bis auf man selbst), die Kuschelpädagogik der 68er und was den 0815-SPON-Foristen halt noch so einfällt. Auch einige sinnvolle Feststellungen sind dabei…Nicht falsche Erziehung sondern Mangel an Erziehung; bzw. der fehlende Willen von Eltern sich mit ihren Kindern auseinanderzusetzen…
Das kann ich soweit schon mal unterschreiben, aber das Problem geht tiefer, vor allem wenn es um Medienerziehung geht. Sicher kann sich kein Erziehungsberechtigter rausreden, wenn er seine Kinder unbeaufsichtigt und unreflektiert vor den Fernseher lässt, bzw. an die eigene Videosammlung vor allem nicht wenn sich darin Horror- und Erotikmaterial befindet), aber das Internet… Da ist so mancher deutlich mit überfordert. Ist ja auch nicht jeder mit Computer aufgewachsen… so wie die Kinder von heute… die werden ja auch noch in der Schule dafür fitgemacht… und die Eltern? Die bleiben zumeist auf der Strecke… Wenn man seinen 14-jährigen Sohn fragen muss ob er einem helfen kann, Filtersoftware für dessen kleine Schwester zu installieren… da ist wohl klar des den 14-jährigen niemand mehr kontrollieren kann…
Aber das Drama geht ja zum Teil auch in der Schule weiter… mir sind an Schulen schon derartig dilettantisch installierte und konfigurierte Jugendschutzsysteme begegnet… Da ist so mancher Lehrer schon schwer erschrocken, wenn man ihm demonstriert hat wie leicht die Kinder da bei der freien Arbeit trotzdem auf unangebrachte Inhalte stoßen können, auch ohne dass explizit danach gesucht wurde.
Ich muss auch eingestehen, dass ich meine Kenntnisse in diesem Bereich auf keinen Fall als fortgeschritten bezeichnen würde… aber schon nach einer Woche wurde ich in der Schule die mich momentan beschäfftigt mit Fragen aller Art zum Thema Computer bombadiert… weil ich einen Lehrer mal auf die Idee gebracht habe, “schon mal Linux von CD gestartet”!
Mein Vorschlag: Jede Schule sollte Zugriff auf Medienpädgogen mit ausreichender Fachkenntnissen haben. Vor allem auch ausreichend Zugriff!!! Und diese Fachkräfte könnte man auch einsetzen um Eltern Unterstützung zukommen zu lassen, wenn sie Probleme haben die Computeraktivitäten ihrer Kinder zu kontrollieren. Obwohl eigentlich sollte man direkt auf die Eltern zugehen… sie dazu drängen diese Hilfen anzunehmen… Eigeninitiative ist leider bei vielen nicht wirklich zu erwarten, bzw. dort wo Eigeninitiative vorhanden ist, wird sich ja meistens sowieso um solche Themen gekümmert.
Klar wird das Geld kosten… aber wir geben ja auch für Griechenland und Banken Geld aus.. oder Sommerloch füllende Ministerinnen… aber hierfür würde es sich wirklich lohnen… und arbeitslose Informatiker hätte wir dann auch ein paar weniger…
